Notizen zur Gemeinderatssitzung
vom 12. November 2014

oder:

Warum ich nicht zustimmen konnte!

von Valentin Schmitt

Ein überfüllter Zuschauerraum ist selten bei einer GR-Sitzung. Dass der Besucheransturm am 12. November so gewaltig war, lag sicher am Tagesordnungspunkt 3: Ausweisung eines neuen Baugebiets in der Ortsmitte, genannt „Am Bühlacker“.

Fakt ist, dass diese insgesamt 14.153 m² große Fläche von den Eigentümern an die Baufirma Hubert Schmid GmbH verkauft worden ist, wiewohl auch im Vorfeld Gespräche mit der Gemeinde geführt wurden. Meiner Meinung nach ist damit ein Filetstück innerdörflicher Entwicklung leichtfertig aus der öffentlichen Hand gegeben worden. Gerade im Rahmen der Dorfentwicklung wäre die Chance groß gewesen, diese Fläche einerseits wirtschaftlich, andererseits sozial sinnvoll und baulich ästhetisch überplanen zu können. So aber wird im ersten Bauplanentwurf eine von rein wirtschaftlichem Profit gesteuerte Einheitsbebauung vorgelegt, die jegliche Kreativität und Individualität vermissen lässt. Unter dem „Deckmäntelchen“ Einheimischenmodell wird billigst gebaut; ob die Häuser auch preiswert weiterverkauft werden, liegt ganz in der Hand des Investors: Die Baufirma jedenfalls will keine gesetzlichen Vorgaben seitens der Gemeinde hierzu, sondern setzt auf „Freiwilligkeit“ ihrerseits.

Wie Firmen oft mit freiwilligen Vorgaben umgehen, zeigt uns die Geschichte doch immer wieder (z.B. CO-Ausstoß). Fest steht, dass es das Einheimischenmodell auf Grund neuer Gesetzesvorlagen sowieso nicht mehr so geben wird, wie es in der Vergangenheit von unserer Gemeinde praktiziert wurde. Die Auslegung jedoch einer privaten Firma zu überlassen, finde ich reichlich riskant.

Auch das zweite sensible Attribut „seniorengerecht“ wird meiner Meinung nach von der Privatfirma hauptsächlich als zeitgerechtes Schlagwort verwendet: Ist damit nur Barrierefreiheit gemeint oder sind auch zusätzliche Betreuungsangebote angedacht? Dazu wäre aber eine solide längerfristige Planung notwendig, die den gesamten Innenraum und dessen Möglichkeiten miteinbezieht (also Thema für die Dorfentwicklung).

Viele Fragen sind mit dieser Freifläche verbunden. Schade nur, dass die Freiheit, diese Freiflächen mit Bedacht und zum Wohl aller Türkenfelder zu überplanen, durch die Abtretung an einen Privatinvestor ziemlich eingeschränkt wurde. Deshalb konnte ich dem Antrag nicht zustimmen.

Informationen

  • Machen Sie mit, bringen Sie sich ein!

      „Politik darf man nicht allein den Politikern überlassen, man sieht doch, wohin das führt!“ – eine etwas platt-populistische Feststellung mit einem wahren Kern. Das Prinzip, auf dessen Grundlage unser Gemeinwesen funktioniert, nennt sich „Repräsentative Demokratie“. Soll heißen: Der Bürger wählt für fällige Entscheidungen seine Stellvertreter. Und meistens funktioniert das ja auch ganz gut. Manche Entscheidungen erfordern allerdings einen Grad von Sachverstand und Fachwissen, den kaum jemand so ohne weiteres mitbringt – zusätzliche Fertig- und Fähigkeiten von „außen“ schaden da bestimmt nicht. Zumal in unseren Zeiten, in denen der Austausch von Argumenten und Ideen so viel leichter geworden ist als früher. Rein technisch gesehen wäre also mehr Bürgerbeteiligung durchaus machbar. Vorausgesetzt, die Bürger wollen das… Langer Schreibe kurzer Sinn: Machen Sie mit, bringen Sie sich ein! Werden Sie Mitglied in der Dorfgemeinschaft. Der erste Schritt: Schauen Sie einfach mal vorbei, lernen Sie uns kennen, hören Sie zu und diskutieren Sie mit uns. Der zweite Schritt: Laden Sie sich Ihr Beitrittsformular herunter, füllen Sie es aus und lassen Sie es uns zukommen. Und natürlich können Sie auch den zweiten Schritt vor dem ersten tun – Hauptsache, Sie engagieren sich – für Ihre Ziele, für Ihren Ort, für die Zukunft auch der nächsten Generation.

Scroll to top